Sharing Economy – wenn Teilen das Haben ersetzt. Eine neue Art des Wirtschaftens bietet Chancen für Unternehmen.

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Die Sharing Economy ist en vogue: Weltweit setzt sich diese neue Form des Wirtschaftens und Konsumierens in rasantem Tempo durch. Leihen statt besitzen, tauschen statt kaufen sind die Maxime dieser Bewegung. Die Inkubationsherde liegen im urbanen Umfeld – also da, wo es viele Nachbarn aber wenig Platz gibt. Dabei ist das Teilen gar nicht neu, sondern ein uraltes Prinzip menschlicher Gemeinschaften. Durch die digitalen Technologien sind nun aber ganz neue Möglichkeiten zur Umsetzung dazugekommen – quantitativ, qualitativ, geographisch. Das Internet und immer weiter absinkende Grenzkosten für digitale Technologien sind ein gewichtiger Treiber dieser Entwicklung. Hinzu kommt eine Generation, die sich nicht mehr über den Besitz definiert, sondern zunehmend über das Erlebnis und den Nutzwert von Dingen. Eine neue Konsumkultur stellt bisherige Geschäftsmodelle auf dem Kopf. Eine Herausforderung für Unternehmen.

Die Wiederentdeckung der Gemeinschaft
Die Grundidee der Sharing Economy ist bestechend einfach: Statt dass jeder Mensch Produkte und Güter anhäuft, die er, wie etwa eine Bohrmaschine, ganze 13 Minuten in seinem Leben nutzt und die restliche Zeit lagert, pflegt und verwaltet, nutzt er die Geräte und Dinge nur dann, wenn er sie braucht und dann gemeinsam mit anderen Menschen. Das spart Zeit, Geld, Ressourcen – und Nerven.

Das Beispiel zeigt: Wenn sich 20 Menschen eine Bohrmaschine teilen – und dann würde das Gerät immer noch die meiste Zeit herumliegen – sind es ganze 19 Geräte weniger, die produziert, verkauft, konsumiert, gelagert und anschließend entsorgt werden müssen. Auch der Rohstoff- und Ressourceneinsatz reduziert sich damit drastisch. Das ist gut fürs Portemonnaie, für die Umwelt und den Platz in den eigenen vier Wänden. Genauso gut ist es für Unternehmen, die diesen Trend erkennen und sich auf Veränderung und Erneuerung einstellen. Moment – gut für Unternehmen? Ist es nicht so, dass unsere auf Wachstum und eine permanente Ausweitung des Absatzes von Gütern basierende Wirtschaft zusammenbricht, wenn auf einmal geteilt wird? Wenn mehr genutzt als gekauft wird? Schließlich merken produzierende Unternehmen, wenn Güter nicht mehr zeitnah entsorgt, sondern geteilt und sogar repariert werden. Unternehmen, die diese neue Entwicklung antizipieren, die sich wieder auf Qualität und Langlebigkeit konzentrieren (denn das ist eine zentrale Voraussetzung für Produkte, die sich zum Teilen und Verleihen eignen sollen), können durch innovative Geschäftsmodelle in Zukunft gewinnen. Nicht nur an Reputation, sondern ganz handfest an Umsatz. Diese Unternehmen übernehmen die Rolle des Koordinators, Netzknoten und Serviceproviders der Sharing Economy und bieten neben nutzwertigen Sharing-Angeboten auch noch die Gemeinschaft, eine auf Austausch basierende Community. Chancen hierfür bieten sich viele, angefangen bei exzellenten Lieferservices, einfachen Zugriffsmöglichkeiten auf Güter per Smartphone oder einer qualitativ hochwertigen, sicheren Abwicklung des Tauschens und Verleihens. In Zukunft wird es auch üblich werden, Produkte zunächst zu leihen, sie ausgiebig zu testen – und ggf. erst dann zu kaufen. Alleine oder mit anderen zusammen.

Was bedeutet das für Erneuerungs- und Innovationsoffensiven in den Unternehmen?
Nicht nur die Konsumenten ändern sich, auch die Produzenten spielen bei dieser Transformation hin zu einer neuen Art des Wirtschaftens eine ganz neue Rolle. Ging es bislang immer nur darum, möglichst viele Massenprodukte unter Ausnutzung von Skaleneffekten zu immer günstigeren Stückkosten zu fertigen, um diese auf immer neuen Märkten zu vertreiben, mischt das Prinzip der Sharing Economy die Karten neu. Qualitativ hochwertige Produkte, die sich perfekt zum Teilen und Verleihen eignen, die bestenfalls auch noch reparabel sind und einen hohen und vor allem konkreten Nutzwert versprechen, sind die Topseller von morgen. Unternehmen, die es verstehen, dem Konsumenten der Zukunft Nutzwert und Nutzzeit zu verkaufen, die ihr Geschäftsmodell diesbezüglich radikal neu denken und umstellen, werden zu ganz neuen Kundengruppen vorstoßen – und nach wie vor Geld verdienen. Denn das wird durch die Sharing Economy entgegen anders lautenden Meinungen nicht abgeschafft. Unternehmen müssen sich ihrer neuen Rolle bewusst werden und umdenken. Sie sind nicht länger nur Produzent, sondern Lösungsanbieter. Konsumenten werden zu Nutzern, Mietern, Ausleihern, Beschenkten …

Es gibt aber auch ganz handfeste Argumente, sich als Unternehmen strategisch mit dem Prinzip der Sharing Economy auseinanderzusetzen: Es wird sich nicht vermeiden lassen! Im Hinblick auf die „Peak Everything“-Diskussion werden mittel- bis langfristig die Ressourcenpreise aufgrund der Verknappungen deutlich steigen. Daher ist dieser Weg auch eine Chance für die Unternehmen, den eigenen Ressourcenverbrauch zu senken und das langfristige Bestehen zu sichern.

Erfolgsfaktoren Digitalisierung und Vertrauen
Der Beschleuniger in dem neuen Spiel ist die digitale Transformation. Neue Technologien, Plattformen und eine nie dagewesene Vernetzung der Menschen und Unternehmen machen den Austausch nicht nur erst möglich, sondern geradezu effizient, sicher und zudem auch noch unterhaltsam. Das Ergebnis: gemeinschaftlicher Konsum. Auf webbasierten Plattformen können die Nutzer via Smartphone oder Tablet Güter verleihen und selber ausleihen oder gemeinsam konsumieren. Die zentrale Währung ist hierbei das Vertrauen. Nur durch gegenseitiges Vertrauen können Sharing-Verbindungen entstehen und nachhaltig bestehen. Soziale Netze, Profile, Meinungen und Empfehlungen geben dem eigenen Profil erst eine tragfähige Identität. Die digitale Reputation, ausgedrückt in Profilen sowie der Meinung der Community zum eigenen Verhalten, z.B. im Umgang mit geteilten Dingen, bestimmen darüber, ob man als Teil der Gemeinschaft akzeptiert wird oder eben nicht. Auch hier ein uraltes Prinzip – durch digitale Medien neu belebt.

Fazit: Unternehmen, traut euch und macht eure Hausaufgaben.
Wer sich schon jetzt auf die sich rapide ändernden Konsumentenansprüche einstellt und sich mit dem neuen Geschäftsmodell der Sharing Economy intensiv beschäftigt, kann wertvolle Meilen vor dem Wettbewerb machen, wenn es darum geht, als Partner der neuen, anspruchsvollen Konsumenten akzeptiert zu werden. Entscheidend ist nicht nur ein funktionales, sinnvolles Angebot, das sich auf regionaler Ebene zum Teilen eignet, sondern auch der bequeme Zugang zu den Produkten durch digitale Technologien. Last but not least muss das Vertrauen stimmen. Das Vertrauen der Konsumenten zum Unternehmen, aber auch innerhalb der Community. Vertrauen ist die Währung, mit der das gesamte Engagement in Zukunt stehen und fallen kann. Auch die gute, alte Qualität bekommt ihre Renaissance. Der Grundsatz ist so einfach wie einleuchtend: Nur Gutes wird verliehen. Einwegprodukte, billiger Ramsch und minderwertige Produkte sowie Artikel ohne überzeugende Grundfunktionalität werden von der Sharing Economy gemieden. Wer sich jedoch auf die neuen Anforderungen der Sharing Economy einstellt und die hohen Ansprüche der Kunden von morgen erfüllt, wird auch in Zukunft gutes Geld verdienen.

One Response to Sharing Economy – wenn Teilen das Haben ersetzt. Eine neue Art des Wirtschaftens bietet Chancen für Unternehmen.
  1. Ralf Neuhäuser Antworten

    Wäre zu wünschen, dass dieser Trend nicht nur eine Modeerscheinung bleibt, sondern eine anhaltende Entwicklung markiert, die auch die entsprechenden sozialen Wandel nach sich zieht und den quasi-religiösen Wachstumsglauben ablöst.

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